Was ist MKP bzw. MKPS ?

Der Mitralklappenprolaps ist eine Herzklappenanomalie, die nach aktuellem Stand 5% der Bevölkerung betrifft. Hierbei ist in der Regel einer der beiden Segel der Mitralklappe verwölbt, bei manchen Patienten können es auch beide sein.
Die Betroffenen sollten in drei Gruppen unterteilt werden:



Die erste Gruppe ist in der Regel beschwerdefrei und erfährt oft nur durch einen Zufallsbefund vom Mitralklappenprolaps.

Die zweite Gruppe leidet an dem Mitralklappenprolaps-Syndrom, welches medizinisch als vegetativen Dystonie bezeichnet wird. Hierbei treten unter Anderem die folgenden Beschwerden auf:
Panikattacken, Herzrasen, - stechen oder flattern (Extrasystolen), Schmerzen in der Brust (Herzschmerzen), Schwindel, extreme Müdigkeit, Migräne.
Untergeordnet können auch Symptome wie Schlafstörungen, extreme Hitze oder Kälteempfindung ohne äußere Ursache, Schweißausbrüche oder auch die Unfähigkeit zu Schwitzen, Muskelschwäche, Ohnmachtsanfälle, Hypersensibilität.
Grundsätzlich sind die auftretenden Beschwerden individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und können aus unserer Erfahrung heraus auch in Schüben auftreten, je nach aktueller Lebenssituation des Betroffenen.

Die dritte Gruppe, die nach derzeitigem Stand 2% der Betroffenen ausmacht, entwickelt im Verlauf eine Mitralklappeninsuffizienz, eine Undichtigkeit der Mitralklappe, der Segelklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Dadurch kommt es zu einem Rückfluss des Blutes vom linken Vorhof in die linke Kammer. Dieses kann bei schwerem Verlauf zu einer Dehnung (Dilatation) des linken Vorhofs und auch der linken Herzkammer (Ventrikel) führen.
Durch den ständigen Blutrückfluss vom linken Vorhof in die linke Kammer kommt es dann dauerhaft zu einer Überlastung. In Fällen eines Abrisses des Papillarmuskels oder mehrere Sehnenfäden mit Durchschlag des Mitralklappensegels, kann sich das linke Herz nicht an die plötzlichen Druckänderungen gewöhnen, so dass hierdurch eine Mangeldurchblutung anderer Organe, sowie ein akutes Herzversagen auftreten können. Dieser Zustand ist selten, aber lebensgefährlich und bedarf einer sofortigen Operation.

Leben mit MKPS

Wodurch der Mitralklappenprolaps und das Syndrom genau entstehen, ist bis heute nicht eindeutig beschrieben. Ob durch Vererbung oder durch ein traumatisches Ereignis ist unklar und wird unter den Medizinern kontrovers diskutiert.

Fakt ist, dass beim Mitralklappenprolaps eine Bindegewebsschwäche vorliegt.

Was wir aber aus unserer Erfahrung wissen, ist dass die Beschwerden der vegetativen Dystonie durch bestimmte Faktoren, verstärkt oder verbessert werden können.

Verbessert werden die Symptome durch:

-Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
-Vermeidung bzw. wenigstens Reduzierung von Koffein, Zucker, Nikotin und Alkohol
-Nahrungsergänzungsmittel z.B. Magnesium, Kalium, Vitamin D und B-Vitamine
Können helfen. Hier sollte aber die Dosierung immer mit dem Hausarzt abgesprochen werden.


-Entspannungstechniken, wie z.B: Progressive Muskelentspannung, Yoga, QiGong, oder Meditation, wobei aber nicht jede Entspannungstechnik für jeden gleich geeignet ist. Hier kann man ausprobieren und rausfinden, was einem selbst gut tut.

-moderater, regelmäßiger Ausdauersport, wie z.B. Walken, langsames Laufen, Schwimmen, Radfahren, Gymnastik. Weniger geeignet sind Sportarten, mit viel Muskelanstrengung, da sie dazu führen, dass vermehrt Milchsäure gebildet wird, die Laktatwerte steigen, die dann unter Umständen zu Herzschmerzen und Panikattacken führen können, da der Herzmuskel trainiert werden will.

Verstärkt werden die Symptome durch:

Stress  - zu viel negativer Stress führt dazu, dass das bei MKPS-Patienten das sowieso schon überreizte Vegetativum noch schneller getriggert wird. Dies passiert durch die biologische Stressreaktion im Hypothalamus, die das Hormon CRH und Vasopressin ausschütten. Diese Alarmstoffe bewirken in der Hirnanhangdrüse die Freisetzung von ACTH, welches dann im Blutkreislauf und in der Nebennierenrinde die Produktion des Stresshormons Kortisol ankurbelt. Im Nebennierenmark werden dann noch das Adrenalin und Noradrenalin gebildet, welches bei MKPS Patienten oft schon von alleine durch die Instabilität des vegetativen Nervensystems erhöht sind. Diese Faktoren können bei MKPS schneller zu Panikattacken und Erschöpfung führen.

Koffein  - ist ein Stimulanz-Stoff, der das vegetative Nervensystem sehr schnell anregt. Da die Wirkung aber dann genauso schnell wieder nachlässt, wird das vegetative Nervensystem aus dem Gleichgewicht gebracht. Zudem wird durch das Koffein ebenfalls die Adrenalinausschüttung stimuliert, so dass hier auch wieder schneller Panikattacken ausgelöst werden können. Falls Sie gerne Kaffee trinken, können Sie entweder auf koffeinfreie Sorten umsteigen oder zumindest den Kaffeekonsum einschränken.

Zucker  - lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und der Körper schüttet Insulin und Adrenalin aus. Ergo, löst Zucker ein ähnliches "Auf und ab" des vegetativen Nervensystems aus, wie Koffein. Außerdem schädigt Zucker die Nerven (zerstört B-Vitamine), entzieht dem Körper Kalzium, macht müde, träge und übersäuert den Körper. Statt einem Stück Kuchen, ist es also besser Obst oder Gemüse zu essen, da dieser Zucker langsamer und unter höherem Energieaufwand geknackt wird und somit gleichbleibend Energie geliefert wird.

Nikotin  - ist ein Stimulanz-Stoff, der neben der Wirkung wie mein Koffein, zudem noch den Blutdruck ansteigen lässt und außerdem die Blutgefäße verengt. Es blockiert die Ganglien des vegetativen Nervensystems, steigert die Ausschüttung von Adrenalin.

Guaraná  - z.B. enthalten in Energy Drinks. Viele MKPS Betroffene vertragen keine Energie Drinks, wahrscheinlich aufgrund des darin enthaltenden Guaranás, welches eine ähnliche Wirkung wie Koffein hat.


MKP/MKPS und Versicherungen


Während die Ärzteschaft den MKP und MKPS in den allermeisten Fällen als harmlose Mitralklappen-Anomalie ansieht, die harmlos verläuft und keine gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit sich zieht, sehen das die Versicherer leider anders. Es ist nahezu unmöglich mit der Diagnose MKP/MKPS eine Berufsunfähigkeitsversicherung, bzw. teilweise eine Unfallversicherung zu erhalten, da die Versicherer dieses Risiko nicht eingehen wollen.
Hier lohnt es sich auf jeden Fall verschiedene Versicherer anzusprechen.



MKPS und Berufswahl


Aus unserer persönlichen Erfahrung brauchen insbesondere MKPS-Betroffene einen gut strukturierten Tagesablauf, der geregelt ist. Daher unterstützen aus unserer persönlichen Sicht Jobs, in denen unterschiedliche Schichten gearbeitet werden müssen dies nicht.
Wie für jedermann, sind auch für MKPS-Betroffene viele Überstunden nicht förderlich, da man bei der vielen Arbeit, ohne Pausen schnell vergisst, regelmäßig zu Essen und zu Trinken und so relativ schnell dehydrieren kann und die Symptome sich dadurch verstärken. Mit Energy Drinks und Koffein verschlechtern sich die Symptome nur, statt hier zu unterstützen. Sicherlich wussten viele MKP/MKPS-Betroffene zum Zeitpunkt Ihrer Berufswahl nichts von ihrem Befund, so dass es unter diesen Bedingungen schwierig war, dies zu berücksichtigen.

In der heutigen Leistungsgesellschaft ist es auch leider nicht immer so einfach, verständnisvolle Arbeitgeber zu finden bzw. Chefs, so dass viele Betroffene auch nicht drüber sprechen. Daher liegt es an jedem selbst, sein Arbeitsumfeld, im Rahmen der Möglichkeiten so zu gestalten wie es gut tut und ggf. auch über einen Jobwechsel oder eine Stundenreduzierung, wenn finanziell möglich, nachzudenken.

Auf der anderen Seite sollte der MKPS auch nicht immer als Grund angesehen werden, die Arbeit nicht zu schaffen, denn mit einer guten Lebenshygiene kann man die Beschwerden zumindest zeitweise in den Griff bekommen. Hier gilt es zu lernen, was geht und was nicht und auch ehrlich auf sich und seinen Körper zu hören.


Quellen:


Literaturempfehlungen

Mitralklappenprolaps und Mitralklappenprolaps-Syndrom
von Prof. Dr. Karl Werdan und Dr. Ursula Müller
Springer Verlag, 1991
ISBN 3-540-53558-6

Hinweis : ein sehr gutes, fachlich geschriebenes Buch, welches leider derzeit nicht mehr verfügbar ist.


Wenn das Herz nicht klappt
Das Mitralklappenprolaps-Syndrom Selbsthilfeprogramm
von Lyn Frederickson
Ehrenwirth Verlag, 1994
ISBN 3-431-03357-1

Ein sehr gutes Selbsthilfeprogramm, allerdings leider derzeit auch nicht mehr in deutscher Sprache verfügbar, allerdings kann man alternativ die englisch-sprachige Version des Ratgebers noch bekommen, siehe ISBN unten.


Confronting Mitral Valve Prolapse Syndrome
von Lyn Frederickson
Warner Books Inc., 1992
ISBN 0446394076


Natural Therapies for Mitral Valve Prolapse: A Good Health Guide
von Ronald L. Hoffman
Keats Publishing Inc., 1997
ISBN-10 0879837659

Ein sehr guter, ganzheitlicher Ratgeber für Betroffene.


Mitral Valve Prolapse Syndrome/Dysautonomia Survival Guide (Englisch) Taschenbuch – November 2002

Ein sehr gut geschriebener englisch-sprachiger Ratgeber der amerikanischen Mitralklappenprolaps-Gesellschaft for Mitral Valve Prolaps.
Von James F. Durante, John Furiasse und Cheryl Durante
Verlag: New Harbinger Publishing (November 2002)
ISBN-10 1572243031


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